nach Texten von Mary MacLane
aus dem Englischen von Ann Cotten, Mirko Bonné und Ulrike Draesner
Bühnenfassung von Marie Rosa Tietjen
REGIE: Marie Rosa Tietjen
PFAUEN
SCHWEIZER ERSTAUFFÜHRUNG: 01.10.2026
«Wenn die allgemeine Welt mich so kennen soll, wie ich will, dass sie mich kennt, mich aus Fleisch und Blut, mich mit der eigentümlichen Philosophie und der unglücklichen Seele, dann muss ich etwas näher an sie herankommen. Dieses hier mein Buch enthält nur eine Figur – mich selbst. Es gibt auch den Teufel – als Möglichkeit.»
Als Mary MacLane im Alter von 19 Jahren mit ihrem ersten Buch hinaus ins helle Rampenlicht tritt, ist das Medienecho gewaltig. Schlagfertig, witzig, rebellisch und klug hat die junge Autorin ein tagebuchartiges Selbstzeugnis verfasst, in dem sie über Kunst und Literatur, Körperfunktionen und Mitternachtssnacks, über Lebenssinn und die Schönheit der Natur philosophiert. Ein schillerndes Psychogramm, das zwischen Alltagsbeobachtungen und morbiden Fantasien, Euphorie und Traurigkeit schamlos sie selbst ins Zentrum rückt. Der Teufel wird darin zum Sinnbild für alles, wonach sie sich sehnt und was in der Ödnis von Montana, umgeben von Bergen und kargem Land, ausserhalb ihrer Reichweite liegt: ein intellektuelles Gegenüber, Ruhm, berufliche Perspektiven, die grosse Liebe.
«In einer Welt von so vielfältiger Schönheit muss es doch auch etwas für mich geben.» Mit verblüffender Selbstverständlichkeit formuliert Mary MacLane einen Anspruch auf ein Leben, das mehr zu bieten hat als die Ödnis, die sie umgibt. Mit der kompromisslosen Emotionalität eines jungen, lebenshungrigen Menschen versucht sie sich in der Welt zu verorten. Diese Suche nach der eigenen Subjektivität, dem eigenen Begehren, steht im Zentrum der Bühnenfassung, in der Regisseurin Marie Rosa Tietjen Auszüge aus dem «Teufel» und den beiden folgenden Bücher Mary MacLanes — «Meine Freundin Annabel Lee» und «Ich» — verwoben und daraus gemeinsam mit ihrem künstlerischen Team sowie der Schauspielerin Lorena Handschin ein Solostück entwickelt hat.